Gardinen Kulzer

Walther FP – Die Freie mit Elektronik

Walther FP – Die Freie Pistole mit elektronischem Abzug

Prolog:
Als Liebhaber der Walther CP2 war es für mich schon lange ein Anreiz, mir das KK-Pendant zuzulegen.
Im Laufe meiner Recherchen wurde mir klar, dass es dieses Modell aufgrund der komplexen Elektronik im schweren Vorderschaft nie in den Massenmarkt gebracht hat.

Es gibt aus der digitalen Zeit bisher nur äusserst spärlich Beiträge dazu. Diese möchte ich hier zusammentragen und vorstellen, evtl auch mit dem Ziel, so manchen WBK-pflichtigen Briefbeschwerer wieder zu neuem Leben zu helfen.

Ich konnte ein Stück aus dem ersten Produktionsjahr (79) gebraucht defekt erstehen, das jedoch auf die SMD-Platine von 2005 umgerüstet worden war. Netterweise war nur der Batteriehalter aus der Paltine gerissen, was für meine Lötkenntnisse kein Problem war.

Laufwurzel und Aufname:
Die technische Umsetzung erfolgte von der Laufbefestigung her wie bei der CP2 mit 2 Madenschrauben.
Interessant sind marginale techn. Änderungen während der Produktion:
Während die FP eines Bekannten mit der SN 1995 (+SN 2314) einen vermeintlichen Fühungsstift für den Ladehebel aufweist, besitzt meine mit der SN 1879 diesen noch nicht. Beide BJ 79.

Der Verschluss:
Der Verschluss ist als Klappenverschluss ausgeführt, abweichend von den meisten anderen mir bekannten, die einen Aydt-Fallblock oder Martini-Verschluss verwenden. Das macht einen Einsatz des bekannten Spannhebels der CP2 möglich. Der herunterklappende Blockverschluss vollzieht dazu einen Schwenk um 13° und gibt so das Patronlenlager frei.
Der Blockverschluss ist mit 2 Laschen über eine drehbare Achse mit dem Rahmen verbunden. Der auftretende Rückstoß stützt sich über die Laschen des Verschlussblocks sowie über den abschraubbaren Visierungsträger nach hinten in den Formgriff ab.

Griff und Holzteile:
Ohne Lauf und Griff ergibt sich ein recht handliches Griffstück, das nur der äusseren Form nach an die CP2 angelehnt ist.

Im hohlen hölzeren Vorderschaft findet die Elektronik ihren Platz. Dieser ist aufgrund des verwendeten Weichholzes mit unter 40g ziemlich leicht. Durch das verwendete Abdeckblech mit dem Schalter erhält die Waffe eine deutliche Kopflast. Das verschiebbare Korn trägt ebenfalls dazu bei.
Dazu mehr auf separaten Unterseiten, s.u.

Der Abzug:
Der Abzug ist als reiner Direktabzug ohne optionalen Druckpunkt ausgeführt. Ursprünglich lag der ersten Feder ( bis 40g Abzugsgewicht) eine zweite bei, die Je nach BJ das Abzugsgewicht bis 100g oder bis 300g erhöhen konnte. Die Triggererkennung erfolgt mittels Optoelektronischer Lichtschranke.

Das Zündsystem:
Das System wird nicht im herkömmlichen Sinne gespannt (Der Verschluss hat keinen federgetriebenen Schlagbolzen) sondern der frei bewegliche Schlagbolzen erhält seine Energie aus einer Induktionsspule / Elektromagnet, die mit je nach Platinenstand von 90 – 150V beaufschlagt wird. Gespeist von einem 9V-Block.
Bei Problemen der reglemäßigen Zündung sollte zu erst der Weg des Schlagbolzens gereinigt werden. Wenn sich keine Besserung einstellt, kann man einen Kondensator mit höherer Kapazität (ca 1,5x des originalen Wertes) versuchen, dann steht der Spule länger Energie zur verfügung, falls der  Mikrokontroller solange durchschaltet. Bei mir ist ein 220µF Kondensator verbaut, Man nimmt also am besten einen mit 150V Nennspannung und 330µF.

 

Die Visierung:
Die Visierung erfolgt mittels bekannter Kimme der Walther CP2, ergänzt durch ein verschiebbares Korn, mit dem eine Änderung der Visierlienienlänge einfach möglich ist. Das Kimmenblatt ist baugleich mit denen der Walther CP 1 2 3 und, und das ist auffällig, der Hämmerli 150 / 152. Scheinbar wurde hier die Visierung aus Ulm von Walther zugekauft, oder ergab sich noch aus einem Gemeinschaftsprojekt in den 50er Jahren….

Die Waffe zerlegen:
Der Schlagbolzen kann entnommen werden, indem zuerst der Griff abgeschraubt wird, dann die Visierung (Kimme) durch lösen der Inbusschraube abgenommen wird.
Dann lässt sich die Schlagbolzenmutter im Verschlussblock um 90° drehen und herausziehen. Achtung ,es kommt eine kleine Rückholfeder mit heraus.

Der Klappenverschluss / Stoßboden lässt sich entfernen. Dessen Querbolzen bekommt man heraus, indem man die Schraube des Platinenhalteblechs entfernt. Dann lässt sich der Bolzen nach rechts hin austreiben.
Achtung, der Kabelbaum muss abgesteckt werden. Keinesfalls fest am Stoßboden ziehen, die Kabel zur Induktionsspule sind sehr fein und können abreißen. Bei mir war eine Ader bereits angescheuert, und habe beide mit ganz feinem Schrumpfschlauch geschützt.

Technische Daten:
Kaliber                               .22 l.r.
Gesamtlänge              ca. 440 mm
Gesamthöhe                     160 mm
Gesamtbreite                      90 mm
Eingestellte Visierlänge     378 mm
Verstellmöglichkeit      347-452 mm
Lauflänge                           300 mm
Gesamtgewicht           ca. 1400 g
Abzugsgewicht                  3-40 g
Betriebsspannung                  9 V

Interessante Zusatzinfos:
Kopflastigkeit:             ca. 450g   (Walther CP2 ca. 470g bei nur 1170g Ges.Gew)
(2 Punktmessung)
Kornträger Ges.gew.   ca. 42g

Versionen der Elektronik-Platine

Der Griff

Ein neuer Griff entsteht

Die Bedienungsanleitung

Bildergalerie

Welche Munition?

 

Umbau extrem – Der Vorderschaft muss weg

Da ich gefragt wurde: Was andere FP / 50m Pistolen evtl. besser können:

die Walther FP ist halt ein Kind ihrer Zeit. (Patent von 1977, Verkaufsstart 1979)

– kein 3d Griff (auch keine Griffwinkelverstellung)

– hohe Laufachse; (Und das liegt nicht an der begrenzenden Visierlinie selbst, die ist hoch genug, sondern am tiefen Abzugszüngel! Das kann die TOZ deutlich besser.)

– rudimentäre Kimme

– kein Drehkorn (kann man kompensieren über die Visierlienienlängenverstellung)

– kein Auswerfer (Patrone wird nur ca. 5 mm ausgezogen)

– kein Kompensator / Hochschlagdämpfung

Mit freundlichen Grüßen

Kulzer Daniel