Gardinen Kulzer

Ein neuer Griff entsteht

Als Linkshänder habe ich mich daran gesetzt, einen linken Griff zu machen. Den deutschen Herstellern solcher Maßanfertigungen alle Ehre, aber als Student muss ich aber sehen wo ich bleibe.

Als Einstieg und für kleinere Korrekturarbeiten, darf ich hierauf verweisen.

Als grobe Vorlage für die äussere Kontur diente mir der Rechtsgriff, der mir überraschend gut passt.

Für die erste Innenkontur wählte ich das Mittlere Sperrholz, genau in der Waffenmitte gelegen.  Hier formte ich die Kontur aus dem Rechtsgriff ab und übertrug sie auf die Sperrholzpappel und sägte sie anschließend aus. Im Nachhinein hätte ich wohl mit dem innersten Stück an der Handfläche beginnen sollen, denn so kann man immer sehen, woran man arbeitet.

Im ersten Schritt formte ich die äussere Kontur auf die 3mm Pappelsperrholz ab und sägte diese und die später weiteren 14 Stück nach der jeweiligen Maßanpassung mit der Laubsäge zu.

Von da an war es ein leichtes. Die vorhergehende Schicht auf die Platte übertragen.
Platte in die Hand einsetzen, die nötigen Änderungen erkennen und auf die angezeichnete Platte übertragen. So ergibt sich Schicht für Schicht eine genau der Anatomie angepasste Kontur. Das klappt bei festeren Haut/Körperteilen besser (z.b. Handrücken), aber auch bei weicheren Regionen wie dem Daumenballen kann man nach diesem Schema vorgehen.

Zum Schluss werden noch die über die Kontur ragenden Elemente wie Handkante und Fingerlage herausgearbeitet.

Während des Schichtweisen Aufbaus werden auch schon Aussparungen für das Griffstück mit eingearbeitet sowie die nötigen Schraubenlöcher eingearbeitet.

Für die Verleimung sollte im besten Fall eine Furnierpresse zur Verfügung stehen, so kann maximale Stabilität aus der Leimung geholt werden.

Wer möchte, kann die einzelnen Schichten auch vorab in unterschiedlichen Farben durchbeizen, um so den üblichen Schichtholzeffekt hinzubekommen.

Welche Färbung und Beschichtung gewählt wird, bleibt jedem selbst überlassen, ich habe mich für Beizen und anschließendes Wachsen entschieden. Bei der Nacharbeit war ich scheinbar nachlässig, denn Leim nimmt Beize nur wenig an, was ihn hier hell erscheinen lässt.

 

Alles in allem ist es eine unterhaltsame Arbeit, die auf einige wenige Nachmittage zu bewältigen ist. Einfachere Griffe natürlich mit weniger Zeitaufwand.

Und wie fühlt er sich an? Es ist, wie ein “Zuhause ankommen”. Alles passt, nichts drückt.
Ich habe mich gegen eine optische Vervollkommnung entschieden – man könnte ja die Aussenkonturen schön abrunden.
Jetzt hat er in etwa den Stil einer Steyr FP

 

 

 

Es geht weiter:
nach mehrmaligem Schießen haben sich die Problemzonen gezeigt. Der Griff drückte auf den Daumen- und Zeigefingerknochen, was nach 60 Schuss durchaus schmerzhaft wurde. Ferner hatte ich immer ein links verklemmtes Korn, was zusätzliche Korrekturarbeit bedeutet, die von der Konzentration weggeht.

Deshalb war wieder Schleifen und Abtragen, Probieren und Auftragen angesagt. Die Mühe hat sich aber gelohnt. Das Korn kommt jetzt automatisch mittig rein, und das Horn des Griffes erfüllt seine Aufgabe, die Waffe zu tragen.
Die aufgetragene Beize färbt noch immer ab, und zeigt mir ganz gut das Tragbild des Griffes.

Es geht wieder weiter: (30.9.2017)
Der überarbeitete Griff erfüllt nun halbwegs seinen Dienst. Jedoch, nach den Regeln der Griffbaukunst ist er aber noch lange nicht fertig. Vor allem in der Handflänge folgt er ja nur grob den Konturen.
Nach heutigem Stand der Technik sollte Kontakt im Faltenbereich zwischen Handteller und 1. Fingerglied bestehen. Also durch eine recht scharfkantige Wulst, die direkt dahinter wieder einen Freischnitt für die Hautfalte hat. –> Das fehlt komplett.

Ferner bin ich mit der hohen Laufachse nicht zufrieden. Die Laufseele verläuft geradewegs oberhalb der Hand. Da kommt jetzt aber die techn. Konstruktion der Waffe in die Quere: die lässt nur mit stark abgewinkelter Hand eine solche Anpassung zu, weil der Abzug noch unterm Blockverschluss liegt…

mfg daniel